Bayerischer Radsportverband e.V.

PASSION RADSPORT IN BAYERN

Kunstradsport

 

Kunstrad Schon Ende des 19. Jahrhunderts betrieben in den USA Radprofis Kunstradsport und verdienten damit ihren Lebensunterhalt. War es zu jener Zeit eher die Beherrschung des Fahrrades und das Fahren bestimmter Wegstrecken, so hat sich der Kunstradsport bis heute zu einer dynamischen aber dennoch präzisen, kinästhetischen und kognitiven Leistungssportart entwickelt, in der akrobatische und künstlerische Aspekte mit musikalischer Untermalung harmonisch auf dem „Turngerät“ Rad vereint werden. Vom Individualsport bis zum Mannschaftssport werden dabei viele Facetten unterschiedlichster Bewegungs- und Trainingsformen vermittelt. Die Leistungssportart Kunstradfahren ist eine stellt vor allem hohe Anforderungen an die technischen und koordinativen Fähigkeiten und Fertigkeiten des Sportlers. Präzise Ausführung der einzelnen Bewegungsabläufe, Gleichgewichtsgefühl, Kondition, Kraft, mentale Stärke, Dehnfähigkeit, graziöse Körperhaltung und schnelle Reaktionen sind unabdingbar für das Ausüben dieses Sports. Im Kunstradfahren werden folgende Disziplinen unterschieden:

 

• 1er-Kunstradfahren der Männer oder Frauen

• 2er-Kunstradfahren der Frauen und off. Klasse

• 4er-Kunstradfahren der Männer oder Frauen

• 6er-Kunstradfahren der Männer oder Frauen

• 4er-Einradfahren der Männer oder Frauen

• 6er-Einradfahren der Männer oder Frauen

 

Kunstrad

In den Disziplinen 1er und 2er Kunstradsport der Männer bzw. Frauen und im 4er Kunstradsport der Frauen werden Weltmeistertitel und im Juniorenbereich Europameistertitel vergeben. Das Gesicht des deutschen Kunstradsports, der 7-fache Weltmeister David Schnabel

Kunstrad

Darüber hinaus werden in Deutschland, der qualitativen und quantitativen Hochburg des Kunstradsports, nationale Meisterschaften im 4er Kunstradfahren der Männer, im 6er Kunstradfahren und im 4er und 6er Einradfahren der Männer und Frauen ausgetragen. Die Sparte Kunstrad innerhalb des Bayerischen Radsport Verbandes verantwortet die Sportarten Kunstrad und Einrad. Nationale Meisterschaften werden auf Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene in den Kategorien Elite (Männer und Frauen), Junioren/Jugend (männlich/weiblich) sowie Schüler und Schülerinnen ausgetragen. Die zu fahrenden Küren werden von den Sportlern je nach Trainingsstand und Können selbst aus einem Reglement zusammengestellt. Die Übungen sind je nach Schwierigkeitsgrad mit unterschiedlich hohen Punktwerten versehen. Altersklassen- und disziplinenabhängig kann eine Kür bis zu 30 Übungen umfassen, die innerhalb von 5min einem Kampfgericht präsentiert werden. Das Kampfgericht bewertet nach vorgegebenen Wertungsrichtlinien Fehler wie Streckfehler von Armen/Beinen, Stürzen, nicht vollständig oder fehlerhaft gezeigten Übungen. Diese Abwertungen führen zu Abzügen der eingereichten Kür-Punktzahl. Die BRV-Kaderstrukturen umfassen den Landeskader (D-Kader), die Förderung der Bezirksstützpunkte mit Sichtung der Talentauswahl, sowie die Integration der DC-Kader-Athleten mit dem Ziel, dem BDR Athleten für den C- und B-Kader zuzuführen. Neben der sportlichen Ausbildung werden auch regelmäßig Ausbildungsreihen für C-Trainer und Verbandskampfrichter Kunstradsport angeboten. Zur Ausübung der Sportart werden Spezialräder benutzt. Das Kunstrad, auch „Kunstfahrmaschine“ genannt, ist ein handgefertigtes Personenrad. Es ist mit Spezialreifen ausgestattet, was eine sichere Bodenhaftung auf ebener Fläche, z. B. Hallenboden oder Holzparkett, garantiert. Eine starre 1:1-Übersetzung ermöglicht schnelles Anfahren und Bremsen, außerdem ist durch den Starrlauf auch rückwärtsfahren möglich. Lenker und Sattel sind so beschaffen, dass man mit Gymnastikschuhen auf ihnen stehen kann. Die Lenkerholme müssen abgerundet oder durch Griffe geschlossen sein. Der Sattel muss fabrikmäßig hergestellt sein. Er darf eine Länge von maximal 300 mm, eine Breite von maximal 220 mm und eine größte unbelastete Durchbiegung von 60 mm aufweisen.

Kunstrad

Die Kurbeln müssen von Mitte Tretlager bis Mitte Pedalachse eine Länge von 130–170 mm haben. Des Weiteren gibt es als Auftritte Dorne mit einer Maximallänge von 50 mm, welche beidseitig an den Achsen der Laufräder angebracht sind und mehr Übungen im Einer- und Zweierkunstradfahren ermöglichen. Verkehrssicher im Sinne der Straßenverkehrsordnung ist ein Kunstrad nicht. Üblicher Gebrauch auf Straßen würde das Rad zudem beschädigen, da es für den Betrieb auf ebenen Flächen ausgelegt ist. Beim Einer-Kunstradfahren werden Übungen auf einem Spezialrad gezeigt. Hierbei werden 30 Übungen in fünf Minuten gezeigt. Diese Übungen können einfache Grundelemente (z. B. rückwärts fahren, Stillstand, …), statische Stände (z. B. auf Sattel und Lenker), statisch turnerische Elemente (z. B. Handstände, Stützwaagen, Vorhebehalten oder Stützgrätschen), Steiger (Übungen, bei denen nur auf dem Hinterrad gefahren wird), Drehungen (= Pirouetten) (z. B. in einer Steigerposition auf dem Hinterrad), Übergänge (= translatorische Elemente) (von einer Steigerposition zur anderen), translatorische Rotationen (z. B. Lenkerstanddrehung (über der Achse des Vorderrades), Drehsprung (um das Vorderrad)), Sprünge und Hocken (z. B. Sprung vom Sattelstand zum Lenkerstand) sein.

Im Zweier-Kunstradfahren besteht die Kür aus zwei Teilen. In einem Teil (meist der erste) fahren zwei Sportler/innen auf zwei Rädern, Übungen, die auch aus dem Einer-Kunstradfahren bekannt sind (z. B. Steiger). Die meisten Übungen werden dabei synchron präsentiert. In dem anderen Teil nutzen die Sportler gemeinsam ein Rad; hierbei können ebenfalls gemeinsam Stände (z. B. einer steht auf dem Sattel, der andere auf dem Lenker) gezeigt werden, es kommen außerdem „Trageübungen“ (ein Sportler fährt bestimmte Übungsposition, der andere sitzt oder steht auf den Schultern) hinzu. Seit 2008 wird diese Disziplin bei Meisterschaften auch gemischt (Männlich/Weiblich) gefahren. Beim Vierer- und Sechser-Kunstradfahren nutzt jeder Sportler sein eigenes Rad. Es werden keine dem Turnen verwandte Übungen gezeigt, sondern verschiedene Figuren möglichst synchron gefahren. Diese können entweder Niederrad (beide Räder haben Kontakt zum Boden) oder im Steiger (Vorderrad hat keinen Kontakt zum Boden) jeweils vorwärts oder rückwärts gefahren werden. Bei Schülern werden hierbei 25 Übungen in fünf Minuten gezeigt. Bei Junioren oder Elite werden 30 Übungen in 5 Minuten gezeigt.