Bericht des Vizepräsidenten für Rennsport, Tilman Rieger

1. Straßenrennsport
Lassen Sie mich meinen Bericht mit einem ehrenden Gedenken an den viel zu früh bei einem tragischen Rennunfall bei der Master-Weltmeisterschaft in St. Johann ums Leben gekommenen Günter Lämmlein beginnen. Mit dem engagierten Trainer, väterlichen Betreuer und unermüdlichem Kämpfer für den Radsport hat die Region Südbayern, aber auch der Bayerische Radsportverband einen liebenswerten Menschen und ein Original verloren!

Auch 2007 konnten die Monumente des bayerischen Straßenrennsportes glänzen: In einem äußerst schwierigen Umfeld gelang es der Bayern Rundfahrt in ihrer 28. Austragung mediale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der RSV Berchtesgadener Land organisierte eine ausgezeichnete Deutsche Bergmeisterschaft, die vom Ambiente, begünstigt durch ideales Wetter, Maßstäbe setzte. Der Mut der Ausrichter nach durchaus schwierig verlaufener Generalprobe und die Unterstützung der Gemeinde Ramsau sollten hier besonders erwähnt werden. Das Rennen Rund um die Nürnberger Altstadt, erneut Finale im Weltcup der Frauen, brachte kurz vor den (sicher nicht ideal verlaufenen) Weltmeisterschaften in Stuttgart die internationale Elite des aufstrebenden Frauenradsportes nach Bayern. Der Internationalen Mainfrankentour ist es ein weiteres Mal gelungen, Fahrer der U23 nach Franken zu holen. Gerade diese Rundfahrt, Sprungbrett für so manche Karriere, verdiente mehr Unterstützung und Anerkennung durch (mediale) Öffentlichkeit und Sponsoren. Besonders gedankt sei an dieser Stelle den Ausrichtern der (wenigen) Straßenrennen, der Rundstreckenwettbewerbe und der Kriterien, die allesamt trotz häufig fehlender ausreichender Unterstützung ihre Veranstaltungen weiterführen.

Das Jahr war erfüllt von Enthüllungen um Dopingaffären, die Idole unseres Nachwuchses vom Sockel stießen. Respekt (in Maßen) noch jenen, die selbst offen zu ihren Verfehlungen in der Vergangenheit standen. Blankes Unverständnis aber ist all jenen gegenüber angebracht, die die Zeichen der Zeit auch 2007 noch nicht erkannt, sich (weiter?) mit unerlaubten Mitteln aufgeputscht haben und sich erdreisten, eine Opferrolle einzunehmen. Sie zerstören das Restfundament, auf dem der Radsport wiederentstehen könnte. Der Zwickmühle zwischen (öffentlichem) Leistungsdruck, eigener Erwartungshaltung und eigenem Vermögen sind sowohl der BDR als auch die Landesverbände, aber auch die Vereine ausgesetzt. Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist für mich trotz aller wohlgemeinten Bemühungen leider noch nicht gefunden. Diese Bemühungen verdienen aber Unterstützung! Wegsehen oder „Weitermachen wie bisher“ wäre kein Ausweg aus der Krise. Der Schwenk zu Erfreulichem fällt schwer, er sei trotzdem gewagt:

Mit Michael Franzl aus Bad Aibling gelang es erstmalig einem Straßenfahrer aus Bayern in einem bayerischen Team die Gesamtwertung-Einzelwertung der Rad-Bundesliga für sich zu entscheiden. Ihm, aber auch seinem Mannschaftskollegen des VfR Ansbach unter der Führung des Trainers Markus Schleicher ist gelungen, was all die Jahre vorher gescheitert war. Dem Team und seinen Verantwortlichen ist Glück zu wünschen in der Saison 2008, in der erstmals der Status eines Kontinental-Teams gewählt wurde. Der VfR Ansbach bietet, mit dem Rotttaler RSV und der RSG Olympiapark München bayerischen U23-Fahrern die Möglichkeit, sich in der Rad-Bundesliga auf höchstem nationalen Niveau zu präsentieren. Dass diese Bemühungen nicht immer von Erfolg gekrönt sein können ist selbstverständlich und nicht nur fehlender Erfahrung geschuldet. Die Augsburgerin Natalie Simanowski als 3- fache Weltmeisterin der Behindertensportler, der mit dem Sportpreis des bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnete Michael Teuber oder auch Wolfgang Sacher aus Penzberg sind die Aushängeschilder des deutschen Behinderten-Radsportes, die allesamt in Bayern beheimatet sind. Sportler, die ohne jedes Pathos mit ihrem Handicap leben und ohne große Unterstützung durch den Radsportverband erfolgreich sind. Der TSV Unterföhring und der RSLC Holzkirchen haben 2007 neben der traditionell dem Behindertensport verpflichteten RSG Augsburg auf der Rennbahn den Rahmen für Wettkämpfe auf hohem Niveau geboten. Experimente, die offensichtlich gelungen sind, ist doch auch für 2008 eine Wiederholung geplant.

Das Experiment mit dem Quest-Ralph-Denk-Bavarian-U19-Cycling Team ist schon in seiner ersten Saison voll aufgegangen! Platz 3 in der Radbundesliga und zahlreiche Ehrenplätze bei nationalen aber auch internationalen Wettbewerben bis hin zu Weltcup-Rundfahrten sind der Erfolg konsequenter Förderung und Orientierung hin auf den Radsport. Den Organisatoren und Sponsoren um Ralph Denk gebührt besonderer Dank, stehen sie doch in schwerer Zeit für einen Neubeginn im bayerischen Radsport und ermöglichen durch ihre Förderung auch manche Maßnahme im Jugend- oder Bahnbereich, die sonst nicht möglich gewesen wäre. Deutliches Zeichen ist hier die erfreuliche Zahl von 4 Nationalfahrern, die den LV Bayern 2008 im Juniorenbereich des BDR vertreten werden.

Die Erfolge der bayerischen Seniorensportler bei Weltmeisterschaften seinen hier als Ansporn für die Zukunft aufgeführt: Werner Hügel (TSV Gaimersheim), Fritz Fleischer und Maria Zander(beide RC Amor München) wurden Weltmeister im Zeitfahren, Jutta Schubert (RSC Kempten) konnte den Titel im Straßenfahren gewinnen. Otto Altweck konnte auf der Bahn die WM-Titel im Scratch und im Punktefahren seiner Altersklasse gewinnen.

2. Bahn
Verstärkte Anstrengungen durch eine gegenüber den vergangenen Jahren deutlich verdichtete Lehrgangssystematik haben zu den gewünschten Erfolgen geführt. Allerdings ist hier erst die erste Etappe eines langen Weges der Gesundung beschritten. Die Unsicherheiten um die Radrennbahn Augsburg vereinfachen die Planungen nicht und schaden vor allem dem Eindruck des Bahnradsportes in der Öffentlichkeit. Nicht immer hilfreiche „Initiativen“, auch in die Öffentlichkeit getragen und permanenter Druck tragen zur Problemlösung nicht bei. Gefragt ist ein Nutzungskonzept für eine Halle mit eingebauter Bahn, das einen die Selbstkosten tragenden Betrieb der Rennbahn ermöglicht. Die Bahnen in Nürnberg als Hochburg des deutschen Stehersportes und in Niederpöring als ideale Nachwuchsbahn versetzen Bayern eigentlich in den beneidenswerten Zustand, ausreichend Bahnen für alle Stufen der Rennfahrerausbildung bieten zu können. Leider erfolgt auch hier die Nutzung durch die Vereine nicht immer in gewünschtem Maße. Dank den Idealisten auf den Bahnen, die für den reibungslosen Betrieb sorgen und unermüdlich Veranstaltungen anbieten.

Sportlich sind die ausgezeichneten Platzierungen einiger bayerischer Nachwuchsfahrer bei der Deutschen Bahnmeisterschaft erwähnenswert. Nach einem langen Tal der Misserfolge haben Christian Pfeiffer (RSG Lauf) mit Bronze im Sprint, Liza Helfen (RSG Augsburg) mit Silber in der 2.000m Verfolgung, Michael Schwarzmann (RSC Kempten) ebenfalls mit Silber in der 2.000m Verfolgung und er Jugend-Vierer mit Bronze in der Mannschaftsverfolgung Lichtblicke und erste Achtungserfolge errungen. Diese Bemühungen fortzusetzen wird Aufgabe des Bahnfachwartes und der Trainer zusammen mit den Vereinen sein.

3. MTB
Ines Thoma als 3. der Junioren-Europameisterschaft und Gesamtsiegerin der MTBBundesliga war die herausragende Sportlerin dieses Bereiches, Andy Eyring ebenfalls als Bundesliga-Gesamtsieger ihr Pendant im männlichen Juniorenbereich. Beiden ist für die kommende Saison in der U23-Klasse viel Glück und Stehvermögen zu wünschen. Mit Mona Eiberweiser und Sarah-Lena Hofmann wachsen gerade im weiblichen Bereich Talente heran, die in den kommenden Jahren an die Stelle der erfolgreichen Junioren treten können. Mit Martin Gluth (FC Wüstenselbitz) hat erstmals ein Junior im 1. Jahr einen Vertrag in einem Professional-Team erhalten und so den LV verlassen. Sein Weg wird genau zu beobachten sein.

Lehrgänge für Schüler und Jugendfahrer konnten im letzten Jahr Begeisterung wecken und durch die Einbindung auch von Trial-Elementen die technischen Fertigkeiten der Sportler erhöhen. Die 3 ausgebildeten Trial-Trainer in Bayern sind hier weiter gefordert, ihr Wissen auch an den MTB-Bereich weiter zu geben.

Regionale Rennserien in nahezu allen bayerischen Bezirken tragen zur positiven Entwicklung in Nachwuchs-Bereich bei. Allerdings muss weiterhin versucht werden, diese Serien auf dem Boden der Sportordnung auszutragen, die Leistungen der Sportler entsprechend zu honorieren und alle Rennen von einem ausgebildeten Kampfrichter des BRV leiten zu lassen.

Die Organisatoren von EON-Bayern-Cup, OTV-Cup, Sparkassen-Cup, Pölz-Cup, oder auch der Allgäu-Kids-Cup sind aufgerufen, sich mit ihren Serien voll in den BRV einzubringen.

4. BMX und Trial
Hier verweise ich auf die ausführlichen Berichte der Fachwarte Hans Kanter und Anni Bilgerie, für deren Arbeit ich herzlich danke.

5. Einradsport
Unter der Leitung von Walter Herzog wurden mehrere Lehrgänge und Skill-level Prüfungen angeboten, die sich allesamt großer Nachfrage erfreuten. Sportlich ist der BRV hier auf dem richtigen Weg, die Irritationen sollen hier nicht näher beleuchtet werden. Ich verweise hier auf die Bemerkungen von Präsident Kappelsberger.

6. Allgemeines
Es ist leider ein z.T. erschreckend schlechter Wissensstand um die Regularien beim Vereinswechsel von Lizensierten Sportlern festzustellen. Wiederholer-Lizenzanträge werden nicht an die Sportler ausgegeben, Abkehrscheine unvollständig oder falsch bearbeitet oder zwingende Fristen einfach nicht eingehalten. All das verursacht in der Geschäftsstelle erhebliche Mehrarbeit, die auch zu Verzögerungen bei der Lizensierung von Sportlern führen kann. Die Vereine werden hier gebeten, die sowohl auf dem Formular des Abkehrscheines als auch auf der Homepage und natürlich in den einschlägigen Hinweisen der Sportordnung und der WB der Disziplin enthaltenen Vorgaben einzuhalten.

Leider verlassen weiter in Bayern gut ausgebildete Sportler Vereine des Landesverbandes um in Thüringen, in der Pfalz oder anderswo ihre Ausbildung sowohl sportlich als auch schulisch/beruflich fortzusetzen.

Wenig hilfreich und dem Ansehen des gesamten Radsportes abträglich sind sicherlich die organisatorischen Querschüsse einzelner übermotivierter Interessenvertreter, die, anstatt ihre Fähigkeiten in die Verbandsarbeit einzubringen, versuchen, Parallelstrukturen zu entwickeln.

Neid, Missgunst und, leider muss man es so formulieren, Intrigen, sowie ein manchmal doch sehr rustikaler Umgangston erleichtern die Arbeit nicht wirklich und sind einem weiteren Engagement mit Freude nicht zuträglich.

Tilman Rieger

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