Bericht des Vizepräsidenten für Rennsport
1. Veranstaltungen
Mit dem Rennen Rund um die Nürnberger Altstadt, das vom Weltradsportverband als bestorganisiertes Rennen der gesamten Frauen-Weltcup-Serie ausgezeichnet wurde, und der Bayern Rundfahrt, die bereits zum 25. Male durch den Freistaat rollte, zeigten Vereine und Interessengruppen in Bayern Hunderttausenden von Zuschauern Spitzensport zum Anfassen. Der Dank gilt den Sponsoren und Organisatoren, die Veranstaltungen dieser Qualität und dieses Stellenwertes erst ermöglichen. Im 2. Glied standen mit der Internationalen Mainfranken-Tour, den Deutschen Meisterschaften der MTB-Dual-Artisten am Geißkopf oder den Deutschen Meisterschaften der Jugend im Zweier-Mannschaftsfahren auf der Bahn in Augsburg hochkarätige Veranstaltungen, die die Leistungsfähigkeit bayerischer Organisatoren unter Beweis stellten. Beweis dafür ist auch, dass für 2005 unter anderem die Deutschen Zeitfahrmeisterschaften nach Schweinfurt und die U23-Meisterschaften nach Regensburg vergeben wurden. In Frammersbach im Spessart finden Ende Juni die Europameisterschaften im MTB-Marathon statt. Das MTB-Paradies in Bischofsmais glänzt dieses Jahr mit der Nachwuchs-DM sowie den Deutschen Meisterschaften im Downhill und Dual-Slalom. Höhepunkt dort werden aber sicherlich die vom Welt-Radsportverband kurzfristig nach Bischofsmais vergebenen UCI Trials World Youth Games sein. Alles in Ordnung also? Auf regionaler und lokaler Ebene ist ein Rückgang an fordernden Veranstaltungen zu beklagen. Im Straßenrennsport wie im MTB-Bereich sind immer wieder rennfreie Wochenenden festzustellen. Bei den Stollenreifen-Artisten geht der Trend leider zunehmend in den Bereich der Hobbyrennen, der für die Veranstalter lukrativer zu sein scheint. Natürlich soll nicht verkannt werden, dass gerade aus diesem Bereich sich künftige Lizenzfahrer entwickeln, Hobby-Seriensieger sollten jedoch die Sinnhaftigkeit ihres Tuns prüfen. Im BMX-Bereich werden die Bahnen gerade für die Nachwuchsentwicklung in der künftigen olympischen Sportart gut genutzt. Beispiel sei hier nur ein Frühjahrs-Trainingslager in Kolbermoor, das jährlich abgehalten wird und äußerst regen Zuspruch findet. Ein sicher nachahmenswertes Beispiel! Die nationalen und internationalen Erfolge bayerischer BMX-Sportler sind also Folge einer konsequenten Entwicklung von der Breite in den Schülerklassen hin zur Spitze in den Nachwuchs- und Aktivenjahrgängen.
Der Straßenrennsport entwickelt sich leider, bedingt natürlich auch durch die wirtschaftliche Situation und häufig anzutreffende Schwierigkeiten mit den Genehmigungsbehören, immer mehr zu einer Rundstrecken- und Kriteriumsserie. Hier wird den Trainern der Aufbau auch national leistungsfähiger Kader nicht leicht gemacht. Der Appell geht an alle bayerischen Rennsport-Veranstalter, sich ggf. auch vereinsübergreifend für Straßenrennen einzusetzen, die diesen Namen auch verdienen. Damit sollen fordernde Rundstreckenrennen, die sicher auch im Terminkalender stehen, nicht abqualifiziert werden. Die Zahl der Straßenrennen mit Selektionscharakter und sicherer (!) Organisation muss jedoch durch geeignete Maßnahmen gesteigert werden.
Die Ausschreibung von Rennsport-Veranstaltungen hat sich massiv verändert. Rennen, die national veröffentlicht werden sollen (Radsport/rad-net) werden künftig durch die Veranstalter online einzugeben sein. Veranstaltungen lokaler Bedeutung, die ausschließlich im Forum "Bayernsport" veröffentlicht werden sollen, sind in geeigneter Form vorzulegen. Hierzu werden in Kürze Muster im Internet hinterlegt, für alle Verfahren findet auf den nächsten Terminkalender-Besprechungen im Herbst eine für alle Veranstalter sehr zu empfehlende Schulung statt. Eventuelle Mehrkosten durch die aufwendige manuelle Bearbeitung von Ausschreibungen müssen ab 2006 den Vereinen in Rechnung gestellt werden.
2. Ausbildung des Nachwuchses und der Spitzensportler
Nach dem finanziell bedingten Rückzug aus der Förderung der U23 Klasse auf der Straße gilt dort das Hauptaugenmerk des Verbandes der Junioren - und Jugendklasse. Den Bemühungen des VFR Ansbach und der RG Chiemgau um die weitere Förderung des U23-Bereiches gilt meine volle Anerkennung!
Mehr als 450 Übungsleiter sind bayernweit bei den Vereinen im Einsatz. Sie weiterzubilden und neue Kräfte zu schulen ist Aufgabe des LV-Trainers Peter Ganzenberg, der sich auch in Zukunft dieser Aufgabe neben seiner Betreuerrolle im Juniorenbereich widmen wird. Die Bitte geht hier an die Vereine, vorhandenen Schulungsbedarf gegenüber dem Verband zu signalisieren. Hierfür bietet das Internet eine ideale Plattform. Es wird künftig stärker zu nutzen sein.
Im Bereich der Trainer geht der Weg weg vom flächendeckenden Einsatz vieler Stützpunkttrainer hin zu Trainern, die für einzelne Sportarten oder Jahrgangsstufen verantwortlich sind. Sicher in Zukunft nicht steigende Mittelzuweisungen zwingen auch hier zu vorsichtigem Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Nach zaghaftem Beginn steht dem Sportgymnasium Marktoberdorf mit angegliederter Realschule in den nächsten Jahren die Bewährungsprobe bevor. Es sollte gelingen, genügend ambitionierte und leistungswillige Nachwuchssportler von den guten Trainingsbedingungen in Marktoberdorf zu überzeugen. Voraussetzung für einen Anbau von Trainerkapazität ist allerdings der nachgewiesene Bedarf eben jener Kapazität durch Kadersportler. Hier liegen durch die dezentrale Lage des Standortes Marktoberdorf bei sonst idealen schulischen Voraussetzungen die Schwierigkeiten des (auch leider nicht voll zu subventionierenden) Internates. Deutlich besser die Situation in Oberstdorf, wo einige MTB-Kaderfahrer mit gutem Erfolg Schule und Sport integrieren.
Der Raum München - Augsburg mit seinen Möglichkeiten im Bahn- und BMX- Bereich sowie den ab September 2005 vorhandenen schulischen Möglichkeiten stellen u.U. eine sinnvolle Alternative für die Zukunft dar. Hier ist dem Fortbestand der Bahn in Augsburg, der einzigen überdachten Bahn im süddeutschen Bereich, höchste Priorität einzuräumen. Über geeignete Finanzierungsmöglichkeiten für diese für den gesamten Rennsport so wichtige Ausbildungs- und Trainingsstätte muss intensiv nachgedacht werden.
3. Sportliche Erfolge
Stellvertretend für viele sportliche Erfolge bayerischer Athleten sei der Gewinn der Bronzemedaille durch Michael Spieß (RSG Augsburg) im olympischen Sprint bei den Bahn-Europameisterschaften in Valencia erwähnt. Platz 3 bei den Deutschen Meisterschaften im 4000 m Verfolgungsfahren auf der Bahn durch Christian Grasmann sowie die guten Platzierungen bei der DM im Mannschaftszeitfahren, der Titelgewinn durch Lisa Weißenseel (bikeSport Ansbach) bei der DM Straße, John Degenkolb und Lisa Brennauer (TSV Durach) jeweils bei der DM Einerverfolgung sind weitere herausragende Leistungen bayerischer Sportler. All das wird sicher überstrahlt von den tollen Erfolgen der Equipe Nürnberger Versicherung, die die vergangene Saison als weltbestes Frauenteam abschließen konnte. Neben zahlreichen Rundfahrtsiegen und dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft durch Petra Roßner überragen hier die Silbermedaille von Athen und der WM-Sieg von Verona durch Judith Arndt. Mir ist allerdings auch klar, dass das Zutun des bayerischen Verbandes zu diesen Erfolgen eher marginaler Natur war. Dank allerdings ganz ausdrücklich an die Organisatoren der Equipe Nürnberger Versicherung, die auch für den bayerischen Rennsportnachwuchs immer ein offenes Ohr haben.
4. Ausblick
Der Nachwuchsgewinnung ist weiter das Hauptaugenmerk zu schenken. Faszinierend die Zahlen der Nachwuchssportler im BMX-Bereich. Neidvoll blickt der Rennsport hier auf die Erfolge der Hallensportler, denen es gelingt, sehr früh an sportbegeisterte Kinder zu kommen. Allerdings darf bei aller Mühewaltung, mit dem Rennsport möglichst früh zu beginnen, das spielerische Element und die Freunde am Sport nicht verloren gehen. Wissenschaftlich wurde mittlerweile nachgewiesen, dass gerade jene Sportler, die mit ihrer erfolgreichen Hauptsportart später begonnen haben als ihre gleichaltrigen Konkurrenten, in der Phase der höchsten Leistungsfähigkeit die größeren Erfolge zu verbuchen hatten. Es ist zu hoffen, dass die Zukunft auch Durchlässigkeit für die jungen Talente hin zu anderen Sportarten bringt. Letztlich können davon nur alle, inklusive der Gesellschaft, profitieren!
Disziplin und Ausdauer sind notwendig, um sportliche Erfolge zu erreichen. Solidarität und Teamgeist sind aber auch bei Funktionären gefragt. Hieran hat es leider in der kurzen Zeit meiner Funktion als Vizepräsident zeitweise doch erheblich gemangelt. Die Rücktritte einzelne Mandatsträger müssen durch den persönlichen Einsatz der "Zurückbleibenden" kompensiert werden. Nicht eben ein Vorbild für die Sportler! Unterschiedliche Meinungen frühzeitig zu artikulieren und im Gespräch zu einer Einigung zu gelangen, bedingt Kompromissbereitschaft aller Gesprächsteilnehmer. Darüber hinaus und unverrückbar steht fest, dass die schwierige Situation im bayerischen Rennsport nur durch eiserne Ausgabendisziplin gemeistert werden kann. Am Verständnis dafür mangelte es offensichtlich in der Vergangenheit einigen Mandatsträgern.
Zum Schluss ein Wort in eigener Sache: ich hatte in den vergangenen Monaten auch Gelegenheit, die Arbeit in der Geschäftsstelle zu verfolgen. Dabei fiel mir das zum Teil absolut desorganisierte Verhalten in vielen Vereinen auf, die nicht in der Lage waren, ihre oft nur wenigen Lizenzanträge zu bündeln und in der vorgeschriebenen Form vorzulegen. Allein der Begriff des "aufklebens" (eines Bildes) sei hier exemplarisch erwähnt. Hätte die Geschäftsstelle hier "Dienst nach Vorschrift" gemacht, würden wohl einige Sportler und Vereine erst im Juni an die begehrten Plastik-Kärtchen gelangen! Zur Begriffsdefinition Kleben: Klebstoffe sind nichtmetallische Werkstoffe, die Körper durch Oberflächenhaftung (Adhäsion) und innere Festigkeit (Kohäsion) verbinden können, ohne das Gefüge der zu verhaftenden Gestände zu verändern (Quelle: Brockhaus). Beispiele sind Uhu, Pattex, Klebestifte usw.. Sicher nicht aber die Verwendung von Tackern (durch die Stirn des "Opfers") oder nur schlichter Büroklammern.
In diesem Sinne: gute Zusammenarbeit in diesem Jahr!
Tilman Rieger
Vizepräsident für Rennsport
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